Wirbelsäule
Einführung
Einer der Schwerpunkte der Orthopädischen Universitätsklinik Bochum ist die konservative und operative Behandlung von degenerativen und entzündlichen Erkrankungen der Wirbelsäule. Dazu gehören die Bandscheibenvorwölbung, der Bandscheibenvorfall, die Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose), die schmerzhafte Narbenbildung nach erfolgter Wirbelsäulenoperation, der schmerzhafte Verschleiß der kleinen Wirbelgelenke (Facettengelenke) sowie die Spondylodiszitis.
Schwerpunkt der konservativen Behandlung sind verschiedene Injektionen, um den durch die Verschleißveränderungen verursachten Reizzustand zurückzuführen, und die Beschwerden des Patienten zu bessern.
Die Injektionsbehandlung wird von verschiedenen krankengymnastischen und physikalischen Maßnahmen begleitet, zu denen Sie weitergehende Erläuterungen finden, wenn Sie einem der unten aufgeführten Links folgen.
Kann mit der konservativen Therapie keine ausreichende oder dauerhafte Besserung für den Patienten erreicht werden, ist unter Umständen die operative Behandlung angezeigt.
Die konservative Wirbelsäulenbehandlung wird nicht nur im St. Josef-Hospital durchgeführt, wo wir neben den regulären Betten auf den orthopädischen Stationen auch über 5 Betten auf der Kurzliegerstation verfügen, sondern auch in der Klinik Blankenstein, wo wir in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Chirurgie und Anästhesiologie 20 Betten führen.
Funktionelle Anatomie
Die menschliche Wirbelsäule besteht aus insgesamt 24 Wirbelkörpern (7 HWK, 12 BWK, 5 LWK) mit entsprechenden Bandscheibenfächern. Als zentrales Achsenorgan des Körpers hat sie neben der Halte- und Stützfunktion auch die dynamische Ausgleichsfunktion gegenüber der Schwerkraft bei dem physiologischen Bewegungsablauf und aufrechten Gangbild. Zusätzlich erfüllt sie eine Schutzfunktion für das Rückenmark mit den hier austretenden Spinalnervenwurzeln. Die Wirbelsäule besteht aus einer Kette einzelner Segmente, die hier gelenkig durch die Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenke miteinander verbunden sind. Wegen des aufrechten Gangbildes ist hier die vertikale Achslastverteilung in den lumbalen Segmenten am höchsten. Dementsprechend sind die Lendenwirbel deutlich stabiler gebaut als die Halswirbel. Die Wirbelsäule weist unterschiedliche Krümmungen auf, wobei man zwischen der HWS- und LWS-Lordose und der BWS-Kyphose unterscheidet. Die Bandscheiben erfüllen durch ihren hohen Anteil an Grundsubstanz mit Proteoglykanen ein hohes Wasserbindungsvermögen und funktionieren wie hydraulische Stoßdämpfer.
Fehlbildungen
Bei den Fehlbildungen der Wirbelsäule unterscheidet man angeborene und erworbene Fehlbildungen. Bei den angeborenen Fehlbildungen liegen Variationen des Wirbelgefüges bei der Längsdifferenzierung im Sinne von Übergangswirbeln, Blockwirbeln und Synostosen vor. Weiterhin sind lokalisierte Entwicklungsstörungen der hinteren Bogenanteile bei der Entstehung des Wirbelgleitens (Spondylolisthesis) von Bedeutung. Im Kindes- und Jugendalter spielt die Skoliose eine wichtige Rolle, wobei zwischen der reinen Fehlhaltung und der strukturellen Skoliose zu unterscheiden ist
Degenerative Wirbelsäulenveränderungen
Im Laufe des Lebens unterliegen alle Abschnitte der Wirbelsäule schicksalhaften Alterungsprozessen, die sich naturgemäß in den Regionen stärkerer Belastung abspielen. Nicht alle degenerativen Veränderungen müssen zwangsläufig mit klinischen Beschwerden einhergehen, sie bergen aber ein beträchtliches Krankheitspotenzial und haben eine erhebliche sozialmedizinische Bedeutung, da sie ein Großteil der Krankschreibungen und vorzeitigen Berentungen hervorrufen. Die Entwicklung der Bandscheibendegeneration fängt ab dem 20. Lebensjahr an. Da die Bandscheibe keine Gefäßversorgung hat, kommt es unter dem Einfluss funktionsmechanischer Belastungen zu Strukturauflockerungen im Faserknorpel des Bandscheibenringes. Hier liegen die Ursachen für die Entwicklung von Bandscheibenvorfällen und allen nachfolgenden Krankheitsbildern der Wirbelsäule. Durch weitere Gefügestörungen kommt es zu Lockerungen und Instabilität der Wirbelsäule mit entsprechenden Manifestationen an den kleinen Wirbelgelenken und den umliegenden Muskeln sowie dem Bandapparat. Neben dem reinen Kreuzschmerz - auch Lumbago genannt - treten auch Nervenwurzelkompressionssyndrome auf - die so genannte Ischialgie. Je nach Lokalisation können hier unterschiedliche Nervenwurzeln von Bandscheibenverlagerungen oder knöchernen Wirbelkanaleinengungen betroffen sein. Nicht selten treten hierbei Lähmungserscheinungen der betroffenen Nervenwurzeln und ihrer versorgenden Muskelgruppen auf. Als Besonderheit kann hier ein Kauda-Syndrom mit Schwäche der Blasen- und/ oder Darmmuskulatur eintreten, das einen dringenden operationswürdigen Notfall darstellt
Diagnostik
Neben der Erhebung der Krankengeschichte ist die klinisch-körperliche Untersuchung bei allen Wirbelleiden eine Voraussetzung für die weitere Untersuchung und Therapie. Alle apparativen Maßnahmen wie Röntgenuntersuchung, Computertomographie und MRT-Untersuchung haben je nach klinischer Symptomatik ihre Einsatzberechtigung. Als weitere diagnostische Maßnahme kommen noch Labortests und nuklearmedizinische Verfahren in Frage, wenn es sich z. B. um entzündliche oder tumoröse Veränderungen der Wirbelsäule handelt. Die Therapie richtet sich nach der jeweiligen Befundlage und kann eine konservative oder operative Maßnahme nach sich ziehen.
Konservative Therapie
Wesentliche Abschnitte der konservativen Wirbelsäulen Therapie betreffen die Schmerzbehandlung und Wiederherstellung der Form- und Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Die chronischen Rückenschmerzsyndrome sollten hierbei in optimaler Weise durch ein multimodales Therapiekonzept behandelt werden. Dieses umfasst eine intensive Infiltrationsbehandlungen im Rahmen einer minimal-invasive Therapie (MIT), physikalische Maßnahmen, Physiotherapie, sowie eine interdisziplinäre schmerztherapeutische Behandlung. Unterstützend können Chirotherapie und krankengymnastische Beübung am Gerät durchgeführt werden.
Operative Therapie
Therapieresistente Beschwerden und voluminöse Bandscheibenverlagerungen mit Lähmungserscheinungen sind die Domäne der operative Bandscheibenentfernung (lumbale Mikrodiscotomie). Bei diesem mikrochirurgischen Verfahren wird über einen kleinen Zugang an der Wirbelsäule unter dem Operationsmikroskop ausgetretenes Bandscheibenmaterial entfernt. Vorteile bei der "Schlüssellochchirurgie" sind die geringe Gewebezerstörung und schnellere Rehabilitationsphase. Ein äquivalentes Verfahren bei der Wirbelkanalstenose ist die Mikrodekompression. Hierbei werden mit einem Mikrofräsensystem die verengten Abschnitte des Wirbelkanals erweitert. Im Falle eines Wirbelgleitens mit Instabilitätsbeschwerden kann die lumbale Versteifungsoperation (Spondylodese) sinnvoll sein. Bei gegebener Indikation werden auch moderne bewegungserhaltende Verfahren, wie z. B. die Bandscheibenprothese und die dynamische Stabilisierung (TLIF) zum Einsatz gebracht.
Rehabilitation und Prävention
Zur Vorbeugung und auch zur Nachbehandlung bei Rückenpatienten spielt die Rückenschule eine wesentliche Rolle. Hierbei erlernen die Patienten neben speziellen krankengymnastischen Übungen eine rückenschonende Verhaltensweise. Unter physiotherapeutischer Anleitung werden hier alltägliche Bewegungsabläufe und Körperhaltungen einstudiert.
Ein Bandscheibenvorfall in den Schichtaufnahme der Lendenwirbelsäule (MRT). Der Bandscheibenvorfall ist rot eingefärbt und verlegt das Nervenaustrittsloch. Vergleiche die völlig freie Gegenseite.
Der gleiche Bandscheibenvorfall in den seitlichen Schichtaufnahmen (MRT). Der Vorfall ist nach oben umgeschlagen. In der Etage darüber ausgeprägte Bandscheibenvorwölbung.
Spinalkanalstenose in den axialen Schichtaufnahmen der Lendenwirbelsäule. Degenerative Prozesse haben den Wirbelkanal eingeengt. In dem grün markierten Bereich werden die Nerven "eingequetscht". Vergleiche dazu auch den weiten Wirbelkanal bei dem Bandscheibenpatienten oben.
Als Ersatz für die verschlissene Bandscheibe kann eine Bandscheibenprothese (hier Typ "Prodisc") eingesetzt werden.








